Qianlong Yangcai Vase – teuerste Vase der Welt

Wie kann ein historisches Stück Porzellan wertvoller als einige der größten Yachten und Luxushäuser der Erde sein? Die Sammlerwelt chinesischer Vasen ist ein faszinierendes Universum, das für den Laien unscheinbare Qualitätsdifferenzen und begehrte Provenienzen oftmals mit Millionenbeträgen honoriert. Ein besonderes Rekord-Exemplar steht 2010 aus kuriosen Gründen gleich doppelt in den Nachrichten.
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Quelle: www.bainbridges.auction

43 Millionen Pfund: Wertvollste jemals versteigerte Vase

Mit einem Versteigerungsrekord von 43 Millionen Pfund (ca. 50 Millionen Euro) ist eine doppelwandige Vase aus der Qianlong-Dynastie des 18. Jahrhunderts die teuerste Vase der Welt. Am 11. November 2010 beim Londoner Auktionshaus Bainbridges angeboten, wird das kaiserliche Gefäß im brechend vollen Auktionssaal von einem chinesischen Bieter im Auftrag eines anonymen Kunden ersteigert und übertrifft den vorherigen Schätzwert von 800.000 bis 1,2 Millionen Pfund in dramatischem Ausmaß.

Das Problem:
Der Besitzer bezahlt den enormen Porzellan-Wert nicht, sodass Bainbridges die Vase zwei Jahre später im Rahmen eines Privatverkaufs für eine mutmaßliche Summe von 25 Millionen veräußert.
Quelle: www.bainbridges.auction

Umso bemerkenswerter erscheinen diese Preise im Angesicht der lückenhaften Provenienz: Wahrscheinlich um das Jahr 1740 in der kaiserlichen chinesischen Porzellanmanufaktur entstanden, gelangt die Vase vermutlich im späten 19. oder frühen 20. Jahrhundert nach Großbritannien und wird von den ahnungslosen Nachfahren des Käufers als Zufallsfund während des Aufräumens entdeckt.

Klar ist:

Durch ihren herausragenden Zustand und ihre Seltenheit in Form und Farbe ist die ungewöhnliche Vase mit Fischmotiv ein heiliger Gral für Sammler des Fachgebiets.

Persönliches Prachtstück des Kaisers?

Während jüngere chinesische Vasen oftmals eine erstklassig dokumentierte Historie aufweisen, stehen bei diesem Rekord-Exemplar viele Fragezeichen im Raum. Sicher ist die zeitliche Verortung des Gefäßes in der Qing-Dynastie (1616-1912) unter ihrem vierten Kaiser Qianlong, der zwischen 1735 und 1796 offiziell regiert.

Vierter Kaiser Qianlong (Quelle: Wikipedia.org)

Experten zufolge wird die Vase mit hoher Wahrscheinlichkeit um 1740 in der kaiserlichen Porzellanmanufaktur Chinas hergestellt und könnte sogar Qianlongs persönlichem Vergnügen gedient haben. Während des 18. Jahrhunderts erreicht die chinesische Porzellan-Kunst, die seit den ersten Jahrhunderten nach Christus tief in der Kultur des Reichs der Mitte verankert ist, ihren Höhepunkt.

Wie die rekordtragende Qianlong-Vase nach der Blütezeit der Qing-Dynastie ihren Weg nach Europa findet, ist unklar: Fachleuten zufolge könnte sie am Ende des Zweiten Opiumkriegs im Jahr 1860 von britischen oder französischen Truppen aus dem Sommerpalast in Peking geplündert worden sein, weil dieses Schicksal einer Vielzahl chinesischer Kunstgegenstände widerfahren ist.

Fest steht, dass die Vase spätestens seit den 1930er-Jahren in Besitz der britischen Familie Newman ist. Angeblich soll der erste Besitzer, Mr. Newman, das Gefäß auf einer Ostasienreise erworben haben; ob diese Version der Geschichte stimmt oder die Vase schon im Laufe des Burenkriegs nach England gelangt, können wir nicht ermitteln. Nach Informationen der Familie bewahrt er die Vase auf einem Bücherregal im Wohnzimmer auf, in der Annahme, es würde sich um eine von vielen schönen Vasen handeln. 2006 stirbt Mr.

Newman und vermacht seine umfangreiche Sammlung an Landkarten, Reisebüchern und anderen Erinnerungsstücken seiner Frau. Nach deren Tod im Jahr 2010 gerät ihr bescheidenes Grundstück im Londoner Vorort Pinner in den Besitz ihrer Schwester Gene Johnson und deren Sohn Tony Johnson. Beim Aufräumen wird die dekorative Vase entdeckt und die Nachfahren schöpfen einen Verdacht: Würde man dieses Porzellan verkaufen, könnte ein hoher Preis erzielt werden.

Action im Auktionssaal: Der hitzige Bieterstreit

Die Johnsons wenden sich an das Londoner Auktionshaus Bainbridges, um der Mutmaßung nachzugehen. Antiquitäten zu verkaufen, die Millionenwerte knacken, steht normalerweise nicht im Vordergrund des kleinen, unabhängigen Auktionators Peter Bainbridge; üblicherweise fällt sein Hammer unter der 500-Pfund-Marke.

Zum Glück der Johnsons erregt die Vase die Aufmerksamkeit des ehemaligen Sotheby’s-Mitarbeiters und Keramik-Experten Luan Grocholski, der eine für Bainbridges-Verhältnisse extreme Wertschätzung von 800.000 bis 1,2 Millionen Pfund abgibt. Und plötzlich richtet sich die Aufmerksamkeit asiatischer Milliardäre auf ein kleines Auktionshaus in den Vororten Londons.

Originalaufnahmen von der Auktion 2010

Als die Versteigerung am 11. November 2010 stattfindet, eröffnet sich dem Inhaber und Auktionator Peter Bainbridges ein ungewohnter Anblick: Sein überschaubarer Saal ist zum Bersten gefüllt mit zahlungskräftigen Sammlern aus der ganzen Welt, die ihre hungrigen Blicke auf die 40 Zentimeter hohe Vase der Qing-Dynastie richten.

Der Bieterstreit ähnelt einem Krimi: Nachdem das Startgebot von 800.000 Pfund auf keine besondere Resonanz stößt und Peter Bainbridges kurzzeitig sogar auf einen Anfangspreis von 500.000 Pfund reduziert, kommen diverse Telefonbieter ins Spiel und hieven den Preis über die magische Grenze von 1 Million Pfund. Was niemand ahnt: Jetzt geht der Bieterkampf erst richtig los. Selbst, als die 20-Millionen-Schallmauer durchbrochen wird, sind noch sieben Bieter im Spiel.

Auf Schlag zu Multimillionären

Der Hammer fällt bei 43 Millionen Pfund. Erst in diesem Moment wird Peter Bainbridges klar, welche Rekord-Summe in den vergangenen Minuten erreicht wurde. Von einer bemerkenswerten Stille im Saal während der explodierenden Summen spricht der Auktionator, noch nicht ahnend, dass der vermeintliche Gewinner sein Geld nie überweisen wird.

Auch die Johnsons können ihr Glück nach Ende der Auktion nicht fassen; auf Schlag werden die Normalbürger zu Multimillionären und die betagte Gene Johnson muss erstmal den Raum verlassen, um frische Luft zu schnappen. Als der Traum zu platzen droht und selbst nach Monaten noch kein Penny bei Bainbridges eingeht, fliegen der Auktionator und Tony Johnson sogar persönlich nach China, um das Geld einzusammeln. Erfolglos.

Über die Frage, wer der zweifelhafte Auktionsgewinner sein könnte, wird spekuliert: Im Raum stehen Wang Jianlin, der Gründer des Mischkonzerns Wanda Group (Immobilien), und ein anderer Immobilien-Tycoon namens Mr. Wang.

Am Ende bleibt den Johnsons ihr Reichtum nicht verwehrt: Zwei Jahre nach dem geplatzten Deal vermittelt das internationale Auktionshaus Bonhams zwischen einem anonymen Interessenten und Bainbridges/Johnson einen Privatverkauf mit unbekanntem Preis. Schätzungen bewegen sich in Regionen von 25 Millionen Pfund.

Zwei Wände, springende Goldfische und kaiserliches Gelb

Eine entscheidende Frage müssen wir noch beantworten: Was macht die Qianlong-Vase innerhalb der Sammlerwelt chinesischer Keramik so außergewöhnlich? Möchte man hochklassiges Porzellan verkaufen, spielt handwerkliche Komplexität eine zentrale Rolle.

Letztere bietet das Meisterwerk en masse: Vor allem die doppelwandige Konstruktion mit innerer Vase und einem äußeren, gitterartig beschaffenen Korpus in Celadon-Grün versetzt Liebhaber ins Staunen. Die Zartheit der netzartigen Struktur und ihre hervorragende Erhaltung nach knapp 300 Jahren sind zu bewundern. In die Gitterstruktur eingelassen sind Medaillons, auf denen springende Goldfische dargestellt sind.

Sowohl der nahezu neuwertige Zustand mit kräftigen Farben als auch die Seltenheit des Motivs sind Kriterien, die den Porzellan-Wert des chinesischen Meisterwerks in die Höhe treiben. Hals und Boden der Vase sind in gelbem, kaiserlichem Emaille gehalten.

Dass 43 Millionen Pfund für die 40 Zentimeter hohe Qianlong-Vase geboten werden, ist jedoch vielmehr ein Resultat der Historie als der schönen, gut erhaltenen Fertigung des Porzellan-Kunstwerks. Allein die hohe Wahrscheinlichkeit eines kaiserlichen Besitzes genügt, um chinesischen Sammlern Millionen zu entlocken.

Platz 2: Kaiserliche Yangcai-Phönix-Drehvase

Die Silbermedaille der weltweit teuersten Vasen mit einem Auktionspreis von umgerechnet 41,6 Millionen US-Dollar geht an eine 2021 in Peking versteigerte Vase. Von einem simplen Blumentopf ist die komplexe Konstruktion meilenweit entfernt: Aus vier Teilen bestehend, verfügt die Vase über einen zweischichtigen Aufbau mit Drehmechanismus.

Kaiserliche Yangcai- Phönix-Drehvase (Quelle: https://en.thevalue.com/articles/poly-beijing-qianlong-revolving-vase-auction-record-result)

Letzterer besteht aus einer durchbrochenen Außenschicht mit aufwendiger Phönix-Szenerie, die während des Drehens freien Blick auf die Dekorationen der Innenschicht ermöglicht. Goldakzente, kunstvolle Emaille und eine erhabene Naturszene unterstreichen die exklusive Ästhetik. Ebenfalls aus der Qianlong-Ära stammend, besticht das Gefäß durch seinen nahezu perfekten Erhaltungszustand und eine enorme Höhe von 25 Zoll (63,5 Zentimeter), die sie zu den größten bekannten Vasen der Qing-Dynastie macht.

Die Provenienz ist lückenfreier im Vergleich zur Nummer eins: Nachdem die Keramik 1875 von einem schottischen Privatsammler erworben wird und bis 1999 im Familienbesitz verbleibt, erfolgt die Versteigerung bei Christie’s in London.

Zum Schnäppchenpreis von umgerechnet 537.000 US-Dollar erwirbt sie der chinesische Kunsthändler William Chak und verkauft die Vase an seinen Klienten weiter, der das millionenteure Meisterwerk 2021 wiederum in neue Hände gibt.

Platz 3: Emaille-Bronze-Vase aus der Qing-Dynastie

Auf dem dritten Platz der wertvollsten Vasen aller Zeiten landet ein weiteres Kunstwerk der Qing-Dynastie des 18. Jahrhunderts: Am 17. September 2014 knackt das Auktionshaus Skinner aus Boston mit einer Vase für 24,7 Millionen Dollar den damaligen Rekord aller jemals in den USA versteigerten, chinesischen Kunstwerke.

Quelle: www.skinnerinc.com

1964 noch für magere 750 Dollar in New York versteigert, zeichnet sich die Vase durch ihre vielfältige Dekoration aus: Porzellan, bemalte Emaille und Bronze formen das Grundgerüst, auf dem stilisierte Blumenmuster, Naturszenen und Momente des täglichen Lebens in unglaublicher Komplexität dargestellt sind. Experten vermuten, dass die damalige Töpferei das Stück 15 Mal gebrannt hat, um die intensive Farbtiefe und die aufwendigen Muster zu erzielen.

Das nationale Palastmuseum in Peking besitzt die einzige andere bekannte Keramik in diesem Stil. Und wie wir aus anderen Sammelgebieten wissen: Antiquitäten zu verkaufen, die eine derartige Seltenheit besitzen, muss zwangsläufig zu gewaltigen Preisen führen.

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